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Seit 2005 führt die Leuschner-Stiftung jeweils zum Todestag Leuschners (er wurde am 29.9.1944 in Berlin-Plötzensee von den Nazis ermordet) die Bayreuther Gespräche durch. In diesem Jahr 2026 wurde anlässlich des 150ten Festivaljahres der Bayreuther Richard-Wagner-Festspiele von der Stiftung ein weithin unbekanntes Kapitel der Festspielgeschichte in den Mittelpunkt der Gespräche gestellt: Richard Wagner und die Arbeiterschaft. Die Einführung übernahm Wolfgang Hasibether mit einem historischen Exkurs zu Wagners Aktivitäten im Dresdner Aufstand der demokratischen Revolution von 1848/49 und seinem frühen Engagement für die Bürgerrechte und Kunstfreiheit. In den frühen Schriften ‚Die Kunst und die Revolution‘ und die Revolution von 1848/49 in Dresden und Zürich entstanden. Wagner stellt darin die These auf, dass eine „neue, wahre Kunst“ (Das Kunstwerk der Zukunft) nur dann entstehen kann, wenn zuvor „alles Alte“ zerstört wird, und zwar durch eine Revolution. Zu dieser radikalen Auffassung kam er, nachdem er unter dem Einfluss von Michail Bakunin, Gottfried Semper und August Röckel sich in Dresden den Zielen der Republikaner angeschlossen hatte und die Chance sah, durch eine grundlegende Veränderung der politischen und sozialen Verhältnisse auch die Theater verändern zu können. Er strebte danach, die Theater von den allzu seichten Unterhaltungsdarbietungen hin zu einer anspruchsvolleren und ernsthafteren Kunst zu bewegen.

Mit den Forderungen der Arbeiterschaft nach konkreten Änderungen in den Eigentums- und Arbeitsverhältnissen setzte sich Wagner jedoch nicht direkt auseinander. 1850 erschien sein Pamphlet ‚Das Judenthum in der Musik‘, in dem er die deutsche Kunst und die Unfähigkeit von Juden diese zu schaffen beschwor. Ein antisemitisches Machwerk mit dem er im deutschen Bürgertum Zuspruch fand. Die Nationalsozialisten und sein Schwiegersohn Chamberlain verbreiteten diesen Antisemitismus mit seinen rassistischen Inhalten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Schon aus diesem Grund fand Wagner in der aufstrebenden Arbeiterbewegung wenig Anerkennung. In den Arbeitersängervereinen wurden jedoch auch Chöre aus den ‚Meistersingern‘ von Wagner aufgeführt. Die Kulturvereine und Volksbühnenbewegung in den 1920er Jahren praktizierten auch Werke aus der bürgerlichen Hochkultur.

Insbesondere die Volksbühnenbewegung bemühte sich kostengünstigen Zugang zu Musik- und Theaterveranstaltungen zu vermitteln. Diese wurde von den Nationalsozialisten 1933 zerschlagen. Nach 1945 wurden diese Vereine wieder belebt und führten auch zur Neuentstehung der Richard-Wagner-Festspiele in Bayreuth. Die Kunsthistorikerin Ursula Leibinger-Hasibether schilderte anschaulich welche Rolle die bayerischen Gewerkschaften ab 1948 zur Entstehung der Festspiele beitrugen.

In der anschließenden Diskussion mit Dr. Sven Friedrich vom Richard-Wagner-Museum Bayreuth wurde dieser Aspekt der Festspielgeschichte, der unter dem Namen ‚Gewerkschaftsvorstellungen‘ immerhin von 1951 bis 2011 sechzig Jahre die Festspiele mitprägte, erörtert. Kostengünstige Vorstellungen für die Arbeitnehmerschaft wurden vom DGB Bayern mit organisiert.

Im Rahmen des Festivals 150 wird hierzu in den nächsten Wochen eine Veröffentlichung zum Thema von der Stiftung vorgelegt.

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