Vortrag zur Leuschner-Ausstellung im DGB-Haus Frankfurt/Main
Wer war Wilhelm Leuschner?
Ein Kämpfer für Demokratie, Freiheit und Sozialstaat. 27.10.26 um 19 Uhr, DGB-Haus, Wilhelm-Leuschner-Str. 69/77
Vortrag von Wolfgang Hasibether, Vorsitzender der Wilhelm-Leuschner-Stiftung Bayreuth
Begleitprogramm zur Ausstellung „Zukunft braucht Erinnerung: Wilhelm Leuschner (1890–1944)“, bis 27. Februar 2027, geöffnet Mo-Fr 8-19 Uhr. DGB Frankfurt
Im Begleitprogramm der Frankfurter Leuschner-Ausstellung, die am 25. September im DGB-Haus in Frankfurt eröffnet wurde, fand am 27. Oktober 2026 ein Vortrag von Wolfgang Hasibether statt. Die von ihm konzipierte Ausstellung läuft noch bis Februar 2027 und stellt die Lebensstationen von 1890 bis 1944 von Wilhelm Leuschner anhand von Bildern und Dokumenten aus dem Archiv der Leuschner-Stiftung in Bayreuth vor. Die im Oktober 2024 im Darmstädter Liebig-Haus vorgestellte Ausstellung, die von Martin Frenzel von der Stadt Darmstadt organisiert wurde, ist in den letzten beiden Jahren an mehreren Stationen gezeigt worden und wird 2027 in Berlin vorgestellt werden.
Anhand von Archivalien aus dem Leuschner-Archiv erläuterte der Vorsitzende der Stiftung die verschiedenen Lebensstationen des späteren führenden Mitglieds des Widerstands der deutschen Arbeiterbewegung gegen den Nazi-Terror. Genau vor hundert Jahren wurde Leuschner 1926 Bezirkssekretär des ADGB-Bezirks Hessen-Waldeck-Saar und hatte seinen Büro-Sitz in der Allerheiligenstraße im 1901 errichteten Gewerkschaftshaus.
Rund 30 Teilnehmende verfolgten den Vortrag, bei dem auch kontroverse Seiten des Leuschnerschen politischen Wirkens beleuchtet wurden, wie etwa der Antiziganismus im hessischen Gesetz zur polizeilichen Behandlung von sogenannten ‚Zigeunern‘ und Landfahrern. Das Gesetz ging auf eine Initiative der Reichsländer in Deutschland zurück und wurde im Landtag des Volksstaates Hessen 1928 eingebracht. Nach seinem Amtsantritt als hessischer Innenminister am 16. Februar 1928 musste Leuschner die Vorlage seines Vorgängers Kirnberger zur Beratung vorlegen. Die darin enthaltenen rassistischen Passagen lies er beseitigen, aber die polizeilichen Erkennungs- und Meldepflichten verblieben im Gesetzestext. Im Sommer 1928 trat das Gesetz in Kraft. Angesichts der Mehrheitsverhältnisse im Landtag war die ursprüngliche Absicht das Gesetz nicht zu verabschieden nicht durchsetzbar.
Die Diskussion dazu wurde lebhaft geführt und unterschiedliche Auffassungen zur politischen Handlung Leuschners wurden deutlich. Am Ende war jedoch Konsens in der Zuhörerschaft, dass Leuschner als Humanist und Demokrat keine Abstriche in seiner Lebensleistung hinnehmen muss.
Seit 2005 führt die Leuschner-Stiftung jeweils zum Todestag Leuschners (er wurde am 29.9.1944 in Berlin-Plötzensee von den Nazis ermordet) die Bayreuther Gespräche durch. In diesem Jahr 2026 wurde anlässlich des 150ten Festivaljahres der Bayreuther Richard-Wagner-Festspiele von der Stiftung ein weithin unbekanntes Kapitel der Festspielgeschichte in den Mittelpunkt der Gespräche gestellt: Richard Wagner und die Arbeiterschaft. Die Einführung übernahm Wolfgang Hasibether mit einem historischen Exkurs zu Wagners Aktivitäten im Dresdner Aufstand der demokratischen Revolution von 1848/49 und seinem frühen Engagement für die Bürgerrechte und Kunstfreiheit. In den frühen Schriften ‚Die Kunst und die Revolution‘ und die Revolution von 1848/49 in Dresden und Zürich entstanden. Wagner stellt darin die These auf, dass eine „neue, wahre Kunst“ (Das Kunstwerk der Zukunft) nur dann entstehen kann, wenn zuvor „alles Alte“ zerstört wird, und zwar durch eine Revolution. Zu dieser radikalen Auffassung kam er, nachdem er unter dem Einfluss von Michail Bakunin, Gottfried Semper und August Röckel sich in Dresden den Zielen der Republikaner angeschlossen hatte und die Chance sah, durch eine grundlegende Veränderung der politischen und sozialen Verhältnisse auch die Theater verändern zu können. Er strebte danach, die Theater von den allzu seichten Unterhaltungsdarbietungen hin zu einer anspruchsvolleren und ernsthafteren Kunst zu bewegen.
Mit den Forderungen der Arbeiterschaft nach konkreten Änderungen in den Eigentums- und Arbeitsverhältnissen setzte sich Wagner jedoch nicht direkt auseinander. 1850 erschien sein Pamphlet ‚Das Judenthum in der Musik‘, in dem er die deutsche Kunst und die Unfähigkeit von Juden diese zu schaffen beschwor. Ein antisemitisches Machwerk mit dem er im deutschen Bürgertum Zuspruch fand. Die Nationalsozialisten und sein Schwiegersohn Chamberlain verbreiteten diesen Antisemitismus mit seinen rassistischen Inhalten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Schon aus diesem Grund fand Wagner in der aufstrebenden Arbeiterbewegung wenig Anerkennung. In den Arbeitersängervereinen wurden jedoch auch Chöre aus den ‚Meistersingern‘ von Wagner aufgeführt. Die Kulturvereine und Volksbühnenbewegung in den 1920er Jahren praktizierten auch Werke aus der bürgerlichen Hochkultur.
Insbesondere die Volksbühnenbewegung bemühte sich kostengünstigen Zugang zu Musik- und Theaterveranstaltungen zu vermitteln. Diese wurde von den Nationalsozialisten 1933 zerschlagen. Nach 1945 wurden diese Vereine wieder belebt und führten auch zur Neuentstehung der Richard-Wagner-Festspiele in Bayreuth. Die Kunsthistorikerin Ursula Leibinger-Hasibether schilderte anschaulich welche Rolle die bayerischen Gewerkschaften ab 1948 zur Entstehung der Festspiele beitrugen.

In der anschließenden Diskussion mit Dr. Sven Friedrich vom Richard-Wagner-Museum Bayreuth wurde dieser Aspekt der Festspielgeschichte, der unter dem Namen ‚Gewerkschaftsvorstellungen‘ immerhin von 1951 bis 2011 sechzig Jahre die Festspiele mitprägte, erörtert. Kostengünstige Vorstellungen für die Arbeitnehmerschaft wurden vom DGB Bayern mit organisiert.
Im Rahmen des Festivals 150 wird hierzu in den nächsten Wochen eine Veröffentlichung zum Thema von der Stiftung vorgelegt.
vom 25. September 2026 bis 7. Februar 2027
DGB-Haus Frankfurt, Wilhelm-Leuschner-Str. 69/77
Zum 82. Todestag Wilhelm Leuschners und im Zeichen des 80. Jahrestags der Hessischen Verfassung wird die von der Wissenschaftsstadt Darmstadt in Kooperation mit der Wilhelm-Leuschner-Stiftung Bayreuth und dessen Kurator Wolfgang Hasibether produzierte Wanderausstellung wiedereröffnet.
Im Mittelpunkt steht das facettenreiche Leben Wilhelm Leuschners: Gewerkschafter, SPD-Politiker, Innen- und Arbeitsminister des Volksstaats Hessen, Widerstandskämpfer und zentraler Netzwerker des zivilen Widerstands gegen die NS-Diktatur. Die Ausstellung beleuchtet auch seine Bedeutung als Wegbereiter der Einheitsgewerkschaft sowie sein Vermächtnis „Schafft die Einheit!“.
Vernissage am Freitag, 25. September 2026, um 17 Uhr im Foyer.
Es sprechen DGB-Regionsgeschäftsführer und Frankfurter DGB-Vorsitzender Philipp Jacks, Oberbürgermeister Hanno Benz, Schirmherr der Ausstellung, sowie der Frankfurter
Oberbürgermeister Mike Josef. Anschließend führt der Historiker und Ausstellungskurator Martin Frenzel durch die Schau.
Die Ausstellung ist bis zum 27. Februar 2027 im Foyer des Gewerkschaftshauses zu sehen. Öffnungszeiten sind montags bis freitags von 8 bis 19 Uhr.
Ausstellung zur Biographie Wilhelm Leuschner im Gymnasium Christian Ernestinum eröffnet
Die im September 2025 der Öffentlichkeit in der Beruflichen Oberschule Bayreuth vorgestellte Ausstellung zur Biographie von Wilhelm Leuschner ist im März 2026 von dort an das GCE Bayreuth weitergegeben worden. Die von der Oberfrankenstiftung geförderte Ausstellung unter Schirmherrschaft von Regierungspräsident Florian Luderschmid war von der Leuschner-Stiftung mit Hilfe von Dokumenten, Bildern und Archivalien aus dem Leuschner-Nachlass erarbeitet worden und anlasslich der 20. Bayreuther Gespräche am 29.9.2025 in der BOS für vier Monate Unterrichtsmaterial zum Thema ‚Widerstand gegen die NS-Diktatur‘.
Am 27. April wurde ein Projekttag mit dem Leistungskurs Geschichte (12. Jahrgangsklasse) unter Moderation von Wolfgang und Ursula Hasibether von der Leuschner-Stiftung mit dem Geschichtslehrer Dr. Jan Ehlenberger durchgeführt. In der zweistündigen Diskussion, die Schulleiter OStDir. Franz Eisentraut mit einer Begrüßung eröffnete, wurden Fragen von Mut und Scheitern im Leben von Wilhelm Leuschner auch in Bezug zur heutigen Zeit erörtert.
In den kommenden Monaten bis zum Schuljahresende haben die Schulklassen im GCE die Möglichkeit die Ausstellungsinhalte in ihrem Unterricht zu vertiefen. Der Besuch der Leuschner-Gedenkstätte in Moritzhöfen ist ebenfalls Teil der Vermittlung der Ausstellung.
Im Leuschner-Zentrum werden in den nächsten Wochen dazu Projekttage mit Besuch der Gedenkstätte stattfinden. Auch von anderen Schulen aller Schularten ist der Besuch der Ausstellung beziehungsweise deren Ausleihe von der Leuschner-Stiftung möglich.
Die 20. Bayreuther Gespräche am 29.9.25 waren der Auftakt für die 14 Ausstellungsstationen auf Rollups zum Leben und Wirken von Wilhelm Leuschner.
Mit Ausstellungsgesprächen, Referaten im Geschichtsunterricht und Besuchen in der städtischen Leuschner-Gedenkstätte und Erstellung von zusätzlichem Ausstellungsmaterial für die Klassenräume bot die Ausstellung das Lehrmaterial für die Beschäftigung mit dem Deutschen Widerstand gegen das NS-Regime. Neben den Rollups war das Begleitheft zur Ausstellung unterstützendes Lernmittel.

Schautafel für den Unterricht zur Leuschner-Ausstellung (Elena Bölke 12. Klasse FOS

















