INTERNATIONALER PROJEKTTAG MIT SCHULGRUPPE AUS LA SPEZIA IN DER GEDENKSTÄTTE

Ital. Projekttag in der Leuschner Gedenkstätte

Die seit langen Jahren bestehende Tradition der internationalen Zusammenarbeit zwischen der Wilhelm-Leuschner-Stiftung und schulischen Einrichtungen in La Spezia wurde am 24. April 2015 erneut mit einem Projekttag in der Wilhelm-Leuschner-Gedenkstätte fortgesetzt. Rund 30 Teilnehmende wurden von dem wissenschaftlichen Leiter der WLS, Wolfgang Hasibether, mit Leben und Wirken Wilhelm Leuschners an einem Projekttag in der Gedenkstätte vertraut gemacht. Unter Leitung der italienischen Deutschlehrerin Silvia Segalla und der Italienischlehrerin aus La Spezia und der Italienischlehrerin am Bayreuther Richard-Wagner-Gymnasium  Anne-Kathrin Saathoff-Stark besuchte die Schulgruppe aus La Spezia die Gedenkstätte und wurde anhand von italienischen Texten der Stiftung mit der Biographie Wilhelm Leuschners bekannt gemacht. Im Mittelpunkt der Ausführungen stand insbesondere der 70. Jahrestag der Befreiung am 8. Mai 1945, der zum Ausgangspunkt für den Widerstand der deutschen Arbeiterbewegung gemacht wurde. In interessanten Diskussionen mit den Schülerinnen wurde die Tradition des deutschen Widerstands erläutert und von den Italienern mit Interesse aufgenommen.

SANIERUNG DES WILHELM LEUSCHNER-ZENTRUMS NACH ZWEI JAHREN ABGESCHLOSSEN

Seit dem Einzug im Juli 2012 wurde das damals völlig herunter gekommene Anwesen für die Zwecke der Wilhelm-Leuschner-Stiftung umfassend saniert. In drei Bauabschnitten wurden zuerst die Außenanlagen und das Erdgeschoß für die Seminar- und Arbeitsräume sowie die Bibliothek des Archivs der Stiftung hergerichtet. Dieser erste Bauabschnitt wurde Anfang 2013 beendet und ermöglichte ein völlig neues Arbeitsumfeld für die seit 12 Jahren geleistete Stiftungsarbeit. In einem zweiten Schritt wurde die Dämmung des Hauses und die Dämmung des Untergeschoßes mit umfangreichen Erdarbeiten und Fassadenarbeiten zum Abschluss gebracht. Im Herbst 2013 war dieser Sanierungsabschnitt beendet. Seit Anfang 2014 wurde im dritten Sanierungsabschnitt das Untergeschoß des Zentrums vom Keller in einen Archivbereich umgewandelt. 

Die umfangreichen Arbeiten zur Beseitigung der Kellerfeuchte wurden mit neuen Böden, entsprechenden Außendämmungen und der Einrichtung der Räume Ende September 2014 zum Abschluss gebracht. Seit dem ist die auf über 200 qm angelegte Arbeit der Gedenkstättenpädagogik, der wissenschaftlichen Forschung und der Veröffentlichung des Nachlasses von Wilhelm Leuschner in vollem Gange. Das Archivgeschoß wird bis zum Sommer 2015 in einem vierten Abschnitt zu einem Archiv ausgestattet mit Ausstellungsräumen, die eine Veröffentlichung der Dokumente und Bilder des Leuschner-Nachlasses, die sich im Besitz der Stiftung befinden, ermöglichen.

„ZWISCHEN LEID UND UNBEUGSAMKEIT“ 10. BAYREUTHER GESPRÄCHE 2014

taltete die Wilhelm-Leuschner-Stiftung am 27. September 2014 ein Symposium zum Widerstand gegen das NS-Regime in Europa während des 2. Weltkriegs in der Bayreuther Zamirhalle. In diesem Jahr gab die Tagung einen Einblick in die Erinnerungsarbeit in Italien und Deutschland. Mehr als einhundert Teilnehmende waren bei den drei Veranstaltungen der Bayreuther Gespräche aus dem Bundesgebiet und dem Ausland interessierte Gäste der Stiftung.

AUSSTELLUNG IM VER.DI BILDUNGSZENTRUM BRANNENBURG

Wilhelm Leuschner im Ersten Weltkrieg - Eröffnung am Antikriegstag 1. September 2014

Am Montag, 1. September 2014 wurde im ver.di-Bildungszentrum Brannenburg die Ausstellung mit Bildern von Wilhelm Leuschner aus dem Ersten Weltkrieg mit zahlreichen interessierten Seminarteilnehmern eröffnet. Hundert Jahre nach Beginn des Ersten Weltkriegs und 75 Jahre nach Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde im gewerkschaftlichen Bildungszentrum Brannenburg an den Schrecken der Kriege erinnert und ein Zeichen für den Einsatz für eine friedliche Zukunft in Europa  gesetzt. Die Kriegserfahrungen Leuschners, dem ‚Vater der Einheitsgewerkschaft‘, wurden so genutzt gegen Krieg und Völkermord einzutreten und in der Bildungsarbeit für ein friedliches Zusammenleben der Völker Europas und in der Welt einzutreten.

Die Bilder aus dem Leuschner-Nachlass im Archiv der Stiftung werden zurzeit in einem Archivprojekt der Wilhelm-Leuschner-Stiftung, gefördert durch die Hans-Böckler-Stiftung, biographisch eingeordnet und digital für ein Internetportal aufbereitet.
Daneben werden Archivalien aus dem Nachlass sowohl im Leuschner-Zentrum Bayreuth wie an anderen Orten thematisch aufbereitet und in Ausstellungen der Öffentlichkeit vorgestellt. Es ist der Anspruch der Stiftung das digitale und das originale Leuschner-Archiv auch in traditioneller Form zu veröffentlichen und in der Bildungsarbeit zu präsentieren. Dazu dient auch die wissenschaftliche Zusammenarbeit mit dem Hessischen Staatsarchiv Darmstadt, mit dem die Stiftung u.a. einen Gedenkort an Leuschner und seine Mitstreiter im Widerstand gegen das Nazi-Regime bis Sommer 2015 im Kollegienhaus Darmstadt einrichtet.
Für die Ausstellung in Brannenburg wurden auf 12 DIN A 1-Schautafeln rund 50 Exponate aus den Weltkriegsbildern im Bayreuther Archiv ausgewählt und mit kommentierenden Texten und einem Begleitmaterial versehen. Sie sind bis Februar 2015 im Bildungszentrum für die Seminarteilnehmenden zu sehen und vermitteln einen Eindruck der Sichtweise Leuschners im Blick auf seine Kriegserfahrungen im Ersten Weltkrieg. Bilder von der Ostfront in Pinsk in Weißrussland 1917 und von der Westfront in Frankreich vor Verdun vermitteln Eindrücke vom subjektiven Empfinden des Kriegsgeschehens des zukünftigen Gewerkschaftsführers und Widerstands-kämpfers Leuschner, die sein Leben wesentlich geprägt haben.
Mit Hilfe der im Archiv in Darmstadt verwahrten Kriegsnotizen wird dieser Abschnitt seiner Biographie, der eine Zäsur seines bisherigen Lebens darstellte, für den Betrachter zugänglich.
In der Ausstellungseröffnung skizzierte der wissenschaftliche Leiter der Leuschner-Stiftung, Wolfgang Hasibether, seine Kriegseindrücke und verglich sie mit dem distanzierten Verhalten eines teilnehmenden Beobachters, wie etwa eines Kriegsreporters, der in Bild und Wort Gräuel des Krieges wahrnimmt um aus der Distanz und nüchterner Schilderung des Geschehens diese Schreckensbilder ertragen zu können. Im Anschluss an die Erläuterung der Bildtafeln wurde eine Einführung in Bilder des Krieges von Otto Dix und Max Beckmann durch die Kunsthistorikerin Ursula Leibinger-Hasibether gegeben, die Zeichnung von Dix und Beckmann in Beziehung zu Leuschners Kriegserfahrungen stellte. Allen drei sei gemeinsam, dass sie als Zeugen des Grauens, mit dem Mittel der Distanz und des Festhaltens in Wort und Bild, dieses zu ertragen suchten. Die Ausstellung wird von Seminarbesucher_innen aus ganz Deutschland bei den Kursen im Bildungszentrum zugänglich und in der Bildungsarbeit des nächsten halben Jahres eingesetzt.

Hier finden Sie den Begleittext zur Ausstellung!

WILHELM LEUSCHNER UND DER 20. JULI 1944

Aus Anlass des 70. Jahrestages des Putschversuches vom 20. Juli 1944 fand im DGB Haus Stuttgart am 16. Juli eine Veranstaltung zur Bedeutung Leuschners für die Putschpläne der Militärs um Graf Stauffenberg statt. Die Tradition der Gedenktage am 20. Juli in den vergangenen Jahrzehnten fokussierte stets die Bedeutung der Militärs bei diesem Attentat auf Adolf Hitler, das die gesamte Führungsspitze des NS-Regimes beseitigen sollte. Der militärische Widerstandskreis um Stauffenberg, der seit 1942 im engen Kontakt mit Wilhelm Leuschner bei der Entwicklung der Putschpläne stand, wurde bei diesen Gedenkveranstaltungen in den historischen Mittelpunkt gestellt.

Die Rolle des gewerkschaftlichen Widerstand und des Widerstands der deutschen Arbeitbewegung gegen das NS-Regime spielte dabei bis heute keine tragende Rolle. Durch die Forschungen der letzten Jahrzehnte ist jedoch festzuhalten, dass die Militärs ihren Staatsstreich niemals versucht hätten, hätte es nicht das zivile Widerstandsnetz, dessen zentraler Mittelpunkt Wilhelm Leuschner war, gegeben. Ohne dieses Netz der gewerkschaftlichen Vertrauensleute, das Wilhelm Leuschner seit 1934 in verschiedenen Etappen immer wieder neu aufbauen musste, und das im Sommer 1944 im Untergrund bereit stand, nach dem erfolgreichen Putsch, die Macht zu übernehmen, hätten die Militärs diesen Staatsstreich niemals durchführen können.

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